Diabetesmittel zeigt in neuer Studie Gewichtsreduktion bei Nichtdiabetikern

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Adipositas kann unter Umständen zu Insulinresistenz, Bluthochdruck oder einer Fettstoffwechselstörung führen. In Deutschland besitzen etwa 25% der Erwachsenen einen Body-Mass-Index von 30kg/m2 oder mehr. Eine unlängst publizierte Studie hat in diesem Zusammenhang im Rahmen einer Untersuchung mit einem neuen Diabetesmittel die Wirkung einer Gewichtsreduktion bei übergewichtigen und adipösen Nichtdiabetikern untersucht.

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Adipositas definiert:

Eine Adipositas oder auch Fettleibigkeit, ist eine anerkannte, chronische Erkrankung. Der Definition der Deutschen Adipositas Gesellschaft nach, ist diese eine über das normale Maß hinausgehende Ansammlung von Fettgewebe im menschlichen Körper und gehört zu den hormonellen, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten. Eine Adipositas kann zu einer Insulinresistenz, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörung führen, wobei sie dabei mit Folgeschäden wie Typ-2-Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen und nicht-alkoholischen Fettlebererkrankungen assoziiert wird. Dabei wird unter anderem auch der sogenannte Body-Mass-Index (Kurz: BMI) als Richtwert herangezogen – dabei ist jedoch zu beachten, dass der BMI allein Probleme bei der Feststellung aufweisen kann, da Faktoren wie Muskelmasse, Wassereinlagerungen, Alter oder Geschlecht nicht berücksichtigt werden. Dieser Wert wird aus dem Gewicht in kg, geteilt durch die Körpergröße im Quadrat berechnet. Andere Ursachen finden sich in der genetischen Veranlagung, ungesundes Essverhalten, Bewegungsmangel oder verschiedenen Erkrankungen.  Zahlreiche individuelle Faktoren, wie Hormone, beeinflussen dabei das menschliche Gewicht und können zu Symptomen wie ungewöhnlich starker Fettansammlung im Körper, Leistungsminderung oder Luftnot führen.  Eine langfristige Adipositas kann unter bestimmen Umständen das Risiko für Folgeerkrankungen erhöhen und zu einer verkürzten Lebenserwartung führen. 

Einsatz von Medikamenten zur Behandlung:

Langjährige Essgewohnheiten zu ändern fällt vielen Menschen nicht einfach und medikamentöse Behandlungen zeigten in der Vergangenheit mehrmalig hohes Risiko – Amphetamine, Fenfluramin und Lorcaserin wurden deswegen vom Markt genommen. In vorigen Untersuchungen haben sogenannte GLP-1-Agonisten und SGLT-2-Hemmer bei Typ-2-Diabetikern das Körpergewicht senken können. Mittlerweile testen die Hersteller diese Wirkung auch bei Nicht-Diabetikern. In diesem Zusammenhang hat das von Novo Nordisk hergestellte Antidiabetika Liraglutid bereits eine Zulassung bekommen. 

Eine im Jahre 2021 publizierte Studie untersuchte nun einen durch den gleichen Hersteller produzierten GLP-1-Agonisten Semaglutid. Während Liraglutid einmal täglich eingenommen werden soll, reicht für Semaglutid eine einmal wöchentliche subkutane Injektion (d.h. unter der Haut).   

Studienmethode des Herstellers:

In dieser im New England Journal of Medicine veröffentlichten, doppelblinden, randomisierten Studie wurden 1961 Erwachsene mit einem BMI von 30kg/m2 oder mehr eingeschlossen, die kein Diabetes hatten. Die Studienteilnehmer aus 129 Standorten in 16 Ländern (mit Deutschland) verzeichneten einen durchschnittlichen BMI von 37,9kg/m2, mittleres Körpergewicht von 105,3kg und einen mittleren Taillenumfang von 114,7cm. 43,7 % der Probanden hatten eine Vorstufe von Diabetes und 75 % wenigstens eine Begleiterkrankung. Alle TeilnehmerInnen wurden im Verhältnis 2 : 1 einer 68-wöchigen Behandlung mit entweder einmal wöchentlichem Semaglutid in einer Dosis von 2,4mg, oder einem Placebo plus Ernährungsintervention  (d.h. Ernährungsumstellung) zugeordnet. Diese Intervention bestand aus 17 monatlichen individuellen Beratungsgesprächen. Außerdem sollten die Probanden einen Kaloriendefizit von 500 Kalorien pro Tag erzielen und mindestens 2,5 Std. körperliche Betätigung pro Woche betreiben. Die Ernährung und Bewegung sollten die Teilnehmer jeden tag in einem Tagebuch verzeichnen. Die Wirkstoffe wurden mit einem sogenannten Pen (d.h. Stift) verabreicht.

Die primären Endpunkte waren die prozentuale Veränderung des Körpergewichts und eine Gewichtsreduktion von mindestens 5 %  

Eindeutige Resultate:

Während das schon getestete Liraglutid in einer 2015 publizierten Studie mit vergleichbarer Patientengruppe das Körpergewicht nach einer 56-wöchigen Behandlung um durchschnittlich 8,4kg reduzieren konnte (im Gegensatz zu 2,8kg bei der Placebogruppe), verminderte Semaglutid das Gewicht der Probanden im Durchschnitt um 15,3kg (im Gegensatz zu 2,6kg bei der Placebogruppe). 

Die Studiengruppe mit Semaglutid-Gabe erreichte bei 86,4 % der Teilnehmer eine Gewichtsreduktion von mehr als 5 % - lediglich 31,5 % aus der Placebogruppe verzeichneten denselben Erfolg. Den Studienergebnissen zufolge erreichten insgesamt mehr als 70 % eine Gewichtsreduzierung von mehr als 10%. Davon eine Reduzierung um 10 % oder mehr: 69,1 % in der Studiengruppe, 12,0 % in der Placebogruppe. Mindestens 15 % Gewichtsreduktion: 50,5 % in der Studiengruppe, 4,9 % in der Placebogruppe. Der Taillenumfang verringerte sich um 13,54cm (Placebogruppe: 4,13cm). 

Diese Reduktion des Gewichtes konnte sich der Studie zufolge auf die kardiovaskulären Risikofaktoren positiv auswirken, da von den Patienten mit Diabetes-Vorstufe 84,1 % normale Blutzuckerwerte erreichten konnte – 47,8 % in der Placebogruppe. Rund 7,0 % der Teilnehmer mit Semaglutid beende die Studie vor Ende der 68 Wochen. 

Konklusion:

Der Hersteller Novo Nordisk hat schon im Dezember 2020 bei der US-amerikanischen FDA (d.h. Food and Drug Administration bzw. Lebens- und Arzneimittelbehörte) und EMA (d.h. Europäische Arzneimittel-Agentur) eine Zulassungserweiterung für Nicht-Diabetiker beantragt, und wartet nun auf die potenzielle positive Antwort. Eine Zulassung würde möglicherweise vielen Nicht-Diabetikern bei der Gewichtsabnahme helfen können. 


Wirkstoffe:

    Autor

    Danilo Glisic

    Letztes Update

    26.04.2021

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