Nesselsucht (Urtikaria)

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Internationale Klassifikation (ICD) L50.9

Grundlagen

Als Urtikaria (umgangssprachlich Nesselsucht oder Nesselausschlag) wird eine Hauterkrankung bezeichnet, die sich mit blass- bis intensiv-roten Erhebungen der Haut äußert. Der Name Nesselsucht beruht darauf, dass die Haut wirkt, als wäre sie in Kontakt mit Brennnesseln gekommen. Der medizinische Fachbegriff lautet Quaddeln.

Eine Urtikaria verursacht starken Juckreiz. Quaddeln und Urtikaria klingen in der Regel innerhalb eines Tages wieder ab. Der Ausschlag kann einmalig, in manchen Fällen jedoch sogar täglich auftreten.

Ursachen

Bei Betroffenen tritt eine Urtikaria auf, wenn sie bestimmten innerlichen oder äußerlichen Reizen ausgesetzt sind. Beispiele hierfür sind:

  • bestimmte Nahrungsmittel wie zum Beispiel Nüsse, Erdbeeren oder Krustentiere
  • Wasser
  • Kälte
  • Sonnenlicht
  • Druckbelastung
  • Insektenstiche (besonders Bienen- und Wespenstiche)
  • bestimmte Medikamente (häufig Salicylate)
  • bestimmte durch Viren oder Bakterien ausgelöste Erkrankungen

Besteht eine Überempfindlichkeit gegenüber einen dieser Reize, werden dadurch bei Kontakt vom Körper Histamin sowie andere Mediatorstoffe (entzündungsregulierende Substanzen) freigesetzt. Diese bewirken, dass sich die Blutgefäße an der betroffenen Stelle erweitern und durchlässiger werden, sodass sich Flüssigkeit im Gewebe ansammeln kann – wodurch die polsterartigen Quaddeln hervorgerufen werden. Der starke Juckreiz ist die Folge der Histaminfreisetzung.

Es werden verschiedene Formen der Urtikaria unterschieden:

  • Akute Urtikaria: Falls Ausschlag und Juckreiz nur für ein bis zwei Tage anhalten, spricht man von einer akuten Nesselsucht.
  • Chronische Urtikaria: Dabei tritt die Nesselsucht nicht nur einmalig, sondern öfters und regelmäßig auf.
  • Idiopathische Urtikaria: Darunter versteht man eine Nesselsucht, der kein bestimmter Auslösereiz zugeordnet werden kann.

Symptome

Die Urtikaria ruft charakteristischerweise folgende Symptome hervor:

  • Zu Beginn Auftreten des Juckreizes.
  • Anschließend treten Nesseln oder Quaddeln hervor. Die rötlichen Erhebungen der Haut können bis zu handtellergroß werden.
  • Häufig klingen die Symptome innerhalb weniger Stunden wieder ab. Bei der chronischen Urtikaria können die Beschwerden jedoch länger als sechs Wochen anhalten.
  • Typischerweise zeigt sich der Hautausschlag an den Extremitäten (Arme, Beine sowie an Zehen und Fingern), an Kopf und Hals sowie bei Männern fallweise an den Genitalien.

Diagnose

Eine Urtikaria lässt sich aufgrund der charakteristischen Quaddeln zumeist leicht diagnostizieren. Bereits durch die Schilderung der Beschwerden kann der Arzt auf eine Nesselsucht schließen. Um ein vielfaches schwieriger ist es jedoch, die Auslösereize festzustellen, die den Ausschlag verursachen.

Zunächst führt der Arzt eine genaue Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) durch. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, um die Art der Urtikaria zu bestimmen. Bei einer akuten (vorübergehenden) Urtikaria ist zumeist keine weitere Abklärung nötig.

Handelt es sich jedoch um eine chronische Urtikaria, können folgende Untersuchungen durchgeführt werden, um die krankheitsauslösenden Reize festzustellen:

  • Pricktest: Bei diesem werden bestimmte Allergenextrakte auf die Haut aufgetropft. Anschließend wird die Haut leicht angestochen und überprüft, ob allergische Reaktionen stattfinden.
  • Epikutantest: Dabei werden Allergene über mehrere Tage mittels Pflaster auf der Haut fixiert.
  • Untersuchungen des Harns und Stuhls auf Parasiten und Keime
  • Blutuntersuchung: Untersucht werden hierbei Entzündungsparameter im Blut sowie spezielle IgE-Antikörper gegen Substanzen, durch welche eine Urtikaria ausgelöst werden kann.
  • Physikalische Überprüfung der Haut: Mittels Wärme-, Kälte- und Druckanwendungen wird überprüft, ob diese eine Nesselsucht auslösen können.
  • Oraler Provokationstest: Besteht der Verdacht, dass die Urtikaria durch eine bestimmte Nahrungsmittel-Unverträglichkeit ausgelöst wird, wird ein oraler Provokationstest durchgeführt. Dabei wird das Nahrungsmittel gegessen – entsteht im Anschluss eine Nesselsucht, wurde der auslösende Reiz erfolgreich bestimmt.
  • Allergie-Suchtests: Dabei muss der Patient ein bestimmtes Ernährungsprogramm einhalten, das mit der Zeit erweitert wird. Dadurch können Nahrungsmittelunverträglichkeiten festgestellt werden.

Therapie

Die erfolgreichste Therapie der akuten und chronischen Urtikaria besteht darin, die auslösenden Reize (wie beispielsweise Nahrungsmittel, Allergene, Kälte, Sonnenlicht) festzustellen und zu meiden.

Falls die Nesselsucht durch Infektionen oder chronische Entzündungen ausgelöst wird, werden diese Ursachen behandelt.

Gegen den starken Juckreiz bei einer Urtikaria stellen Antihistaminika ein wirksames Mittel dar. Diese können zusätzlich die Entstehung neuer Quaddeln verhindern.

Bei sehr schweren Verlaufsformen einer Nesselsucht kann es zu einem anaphylaktischen (allergischen) Kreislaufschock kommen – dieser äußert sich in einem akuten Blutdruckabfall und Atembeschwerden. Für die Behandlung dieser schweren Fälle wird Kortison eingesetzt.

Falls die Urtikaria durch eine Allergie gegen Bienen- oder Wespengift ausgelöst wird, kann mittels einer Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) eine Besserung der Beschwerden erreicht werden. Dabei wird versucht, das Immunsystem an das Gift zu gewöhnen, sodass die starken Überempfindlichkeitsreaktionen in Zukunft schwächer verlaufen.

Bei der chronischen idiopathischen (unbekannter Auslösereiz) Urtikaria konnten mittels naturheilkundlicher Therapieansätze bereits zahlreiche positive Ergebnisse erzielt werden. Im Zentrum dieser Therapien steht die Wiederherstellung und Förderung einer natürlichen und funktionierenden Darmflora.

Prognose

In manchen Fällen lässt sich trotz ärztlicher Untersuchung keine Ursache für die Urtikaria feststellen.

In etwa 50 Prozent der Erkrankungen klingt die Nesselsucht nach einem halben Jahr von selbst wieder ab. Manchmal geht sie in einen wellenförmigen Krankheitsverlauf über, bei dem die Häufigkeit und die Stärke der Symptome von Zeit zu Zeit ansteigen und anschließend wieder nachlassen.

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