Herzrhythmusstörungen

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Internationale Klassifikation (ICD) I49.9

Grundlagen

Als Herzrhythmusstörungen bezeichnet man Unregelmäßigkeiten des normalen Herzschlags. Dabei kann man unterscheiden, ob das Herz zu schnell (d.h. Tachykardie), zu langsam (d.h. Bradykardie) oder unregelmäßig (d.h. Arrhythmie) schlägt. Manche Herzrhythmusstörungen sind nicht weiter bedenklich, andere hingegen können lebensbedrohliche Folgen haben. Daher sollten Herzrhythmusstörungen von einem Arzt untersucht werden.


Wie wird ein Herzschlag erzeugt?

Im Allgemeinen werden durch einen kleinen Bereich im rechten menschlichen Herzvorhof, dem sogenannten Sinusknoten, elektrische Impulse für den Herzschlag erzeugt. Diese gelangen darauffolgend zu beiden Vorhöfen, welche durch diesen Reiz kontrahieren (d.h. zusammenziehen). Zwischen Herzvorhöfen und Herzkammern bildet das Bindegewebe des Herzskeletts eine Schicht welche diese elektrische Impulse isoliert. Dadurch werden die geladenen Reize lediglich am bestimmten Verbindungsknoten zwischen Vorhof und Kammer, dem sogenannten Atrioventrikularknotens (kurz: AV-Knoten), in die Herzkammern weitergeleitet. Diese elektrischen Ladungen fließen entlang dem Erregungsleitungssystem (Bestehend aus: His-Bündel, Kammerschenkel und Purkinie-Faser) zur Herzspitze. Die Spitze (Apex cordis) ist beim Menschen nach links-unten-ventral (auf der Bauchseite) ausgerichtet. Von dieser Stelle aus kontrahiert der ganze Herzmuskel und pumpt dadurch das Blut in den großen Blutkreislauf. Falls der Sinusknoten elektrische Ladungen nicht entsprechend erzeugen kann, diese Reizungen nicht effizient genug weitergeleitet werden oder daneben weitere Impulse im Herzen auftreten, könnten unter Umständen Herzrhythmusstörungen entstehen. Dabei existieren sowohl „gefährliche“ als auch „weniger gefährliche“ Herzrhythmusstörungen.

Einteilung der Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen kann man nach ihrem Entstehungsort (Vorhof oder Kammer), sowie anhand der Herzfrequenz einteilen. Manche Faktoren, wie beispielsweise körperliche Anstrengung, Aufregung, Krankheiten oder Medikamente können ebenfalls eine Veränderung des normalen Herzschlags bewirken, ohne dass man dies jedoch als krankhaft bewertet.

Tachykardien

Von Tachykardie spricht man, wenn das Herz zu schnell schlägt. Der Puls beträgt in Ruhe über 100 Schläge pro Minute.

Entstehung: im Vorhof

Vorhofflimmern: Dabei treten nicht geordnete Impulse vom Vorhof in die Herzkammer, die sehr schnell hintereinander folgen.

Supraventrikuläre Tachykardie: Im Vorhof kommt es zur Entstehung von zusätzlichen Impulsen. Daraus folgt, dass das Herz schneller schlägt. Dieses sogenannte Herzjagen kann plötzlich eintreten und mehrere Minuten bis Stunden dauern.

Wolf-Parkinson-White (WPW-Syndrom): Es besteht eine zusätzliche Reizleitung zwischen Vorhof und Herzkammer, die von Geburt an vorhanden ist. Diese Reizleitung führt zu Tachykardie.

Entstehung: in der Herzkammer

Kammerflimmern: Bei dieser Art von Herzrhythmusstörungen kann man nicht mehr von einem richtigen Schlagen des Herzens ausgehen. Vielmehr zuckt es öfter als 300 Mal pro Minute. Diese Herzbewegung erfolgt sehr unkoordiniert. Infolge wird das Blut nicht mehr zur genüge durch den Körper transportiert. Wenn dieser Zustand eintritt, spricht man auch von „funktionellem Herzstillstand“.

Ventrikuläre Tachykardie: Diese Herzrhythmusstörung wird als sehr gefährlich eingestuft. Sie kommt zustande, indem in den Herzkammern zusätzliche Impulse entstehen, die zu einem schnelleren und zunehmend ineffizienten Schlagen des Herzens führen. Ventrikuläre Tachykardien können zu Kammerflimmern führen. 

Bradykardien

Unter Bradykardie versteht man den Zustand, wenn das Herz zu langsam schlägt. Der Puls weniger als 60 Schläge in der Minute. Fachmediziner bewerten eine Bradykardie erst ab weniger als 50 Schläge pro Minute als medizinisch relevant, denn gut trainierte Menschen können auch einen langsamen Ruhepuls unter 60 Schlägen in der Minute besitzen, ohne dass dabei eine Krankheit als Ursache fungiert. In diesem Fall spricht man von einer sogenannten Sinusbradykardie

Sinusknoten- Dysfunktion (Sick- Sinus- Syndrom):

Die natürliche Schrittmacherfunktion des Sinusknoten ist nicht mehr vorhanden. Infolge dessen kommt es zu einem verlangsamten Herzschlag.

Herzblock:

Die Weiterleitung des Erregungsimpulses erfolgt nicht oder ist verzögert. Man unterscheidet zwischen Sinusatrialem (SA-) Block, bei dem die Leitung zwischen Sinusknoten und Vorhof gestört ist, und Atrio-Ventikulären (AV-) Block, bei dem die Leitung zwischen Vorhof und Kammer nicht ordnungsgemäß erfolgt.

Extrasystolen (Extraschläge):

Als Extrasystolen bezeichnet man zusätzlich auftretende Herzschläge, die nicht dem regelmäßigen Grundrhythmus unterliegen. Diese zusätzlichen Herzschläge können sowohl vor, als auch nach dem Grundrhythmus erfolgen. Es können einzelne Schläge, aber auch mehrere, oder gehäufte Schläge auftreten. Dies alles in Kombination hat einen unregelmäßigen Herzschlag zur Folge.

Ursachen

Herzrhythmusstörungen treten meistens dann auf, wenn die Reizleitung des Herzens gestört oder blockiert ist. In den meisten Fällen sind Herzerkrankungen der Grund. Die Rhythmusstörungen werden ausgelöst, indem die Herzzellen nicht ausreichend Sauerstoff erhalten, oder indem Narben (etwa durch einen Herzinfarkt) im Herzmuskel vorhanden sind. Nachstehende Erkrankungen und Faktoren gelten als häufigste Ursache für Herzrhythmusstörungen:

  • Koronare Herzerkrankungen (KHK)
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Herzinsuffizienz
  • Herzklappenfehler
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Bluthochdruck
  • Medikamente (Digitalis, Antiarrhythmika)
  • Koffein, Drogen
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Folgende Faktoren können ebenfalls an der Entstehung von Herzrhythmusstörungen beteiligt sein

  • Alter: Mit zunehmendem Alter macht das Herz oft eine Veränderung durch und es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen
  • Schilddrüsenüberfunktion: Schilddrüsenhormone haben einen beschleunigten Herzschlag zur Folge. Im schlimmsten Fall kann es zu Vorhofflimmern kommen.
  • Übergewicht: Übergewicht kann neben der Entstehung von KHK auch Herzrhythmusstörungen begünstigen (hauptsächlich Vorhofflimmern).
  • Diabetes mellitus: Unterzuckerung kann Herzrhythmusstörungen auslösen und die Wahrscheinlichkeit an KHK zu erkranken erhöhen.
  • Schlafapnoe: Als Schlafapnoe bezeichnet man kurze Atemstillstände (Apnoe) während des Schlafs. Diese können Ursache für Bradykardien und Vorhofflimmern sein.
  • Mineralien: Für die Reizleitung von Bedeutung sind die Blutsalze Kalium, Kalzium, Magnesium und Natrium. Eine gestörte Konzentration im Blut kann Herzrhythmusstörungen zur Folge haben.
  • Alkohol: Ein übermäßiger Konsum kann vor allem Vorhofflimmern begünstigen.
  • Rauschmittel: Hier sind vor allem Kokain und Ecstasy hervorzuheben, die für Herzrhythmusstörungen verantwortlich sind.

Als Risikofaktoren für Vorhofflimmern gelten

  • Koronare Herzerkrankung (KHK)
  • Herzinsuffizienz
  • Herzklappenfehler (Mitralklappenfehler)
  • Bluthochdruck
  • Hohes Alter
  • Alkohol
  • Übergewicht
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Lungenembolie

Beim Wolf- Parkinson- White- Syndrom (WPW) kann es außerdem zu Tachykardie (Herzjagen), infolge einer zusätzlichen, angeborenen Reizleitung zwischen Vorhof und Herzkammer kommen.

Folgende Faktoren können die Wahrscheinlichkeit für Ventrikuläre Tachykardie und Kammerflimmern erhöhen

  • Koronare Herzerkrankung (KHK)
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Herzklappenfehler
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Dilatative Kardiomyopathie, bei der es zu einer Erweiterung der Herzhöhlen und dadurch bedingt zu einer Herzinsuffizienz kommt.
  • Medikamente, wie etwa Herzglykoside und Chinidin, die in zu hohen Dosen eingenommen werden
  • Kalium-Mangel
  • Elektrounfall (durch heftigen Stromschlag)

Faktoren, die Bradykardie (zu langsamen Herzschlag) begünstigen können

  • Hohes Alter
  • Schlafapnoe (kurzzeitige Atemstillstände während des Schlafs)
  • Merdikamente- Herzglykoside und Chinidin in zu hohen Dosen
  • Koronare Herzerkrankung (KHK)
  • Myocardinfarkt
  • Herzinuffizienz

Symptome

Die Symptome bei Herzrhythmusstörungen können sich auf verschiedene Art und Weise äußern. Genauso unterschiedlich ist auch die subjektive Empfindung jedes Betroffenen. Während bestimmte Menschen Herzrhythmusstörungen als sehr bedrohlich empfinden, können andere Betroffene sie auch sehr bedingt bzw. gar nicht wahrnehmen.

Folgende Beschwerden können sich bei Tachykardie äußern

  • Herzrasen: Der Puls ist stark erhöht, er kann regelmäßig, aber auch unregelmäßig sein. Dieses Merkmal kann auf Vorhofflimmern oder ein WPW-Syndrom hindeuten.
  • Herzstolpern: Der Herzschlag geht sehr unregelmäßig, was als Stolpern oder dumpfes Pochen empfunden wird.
  • Schwindel: Anzeichen hierfür sind ein Verlust der Orientierung im Raum, was auf einen Abfall des Blutdrucks zurückzuführen ist.
  • Leistungsabbau: Die Patienten sind weniger belastbar, da das Herz nicht mehr effizient arbeitet.
  • Angst/Nervosität: Dies ist darauf zurückzuführen, dass Betroffene Herzrhythmusstörungen als sehr bedrohlich empfinden.
  • Brustschmerzen: Da das Herz sehr schnell schlägt benötigt es auch mehr Sauerstoff. Infolge kann es zu Angina pectoris- Anfällen (Herzenge) kommen.
  • Atemnot: Dies kann auf einen Angina pectoris Anfall hinweisen.
  • Sehstörungen oder Schwarz werden vor den Augen: Da das Herz nicht mehr effektiv arbeitet fällt der Blutdruck ab und es kommt zu Sehstörungen.
  • Bewusstlosigkeit: Ein sehr schnell schlagendes Herz kann gleichgesetzt werden mit dem Zustand eines Kreislaufstillstands. Erfolgt in diesem Zustand keine fremde Hilfe, kann diese Situation lebensbedrohlich sein.
  • Harnflut: Es kann gelegentlich vorkommen, dass die Patienten aufgrund der Herzrhythmusstörungen große Mengen Urin ausscheiden.

Folgende Beschwerden sind charakteristisch bei Bradykardie

  • Zu langsamer Herzschlag: Unter 60 Schläge pro Minute
  • Schwindel: Die Betroffenen erleiden einen Verlust der Orientierung im Raum und werden unsicher. Dies ist damit zu erklären, dass der Blutdruck abfällt, da das Herz nicht mehr effizient schlägt.
  • Leistungsabbau: Betroffene sind immer weniger belastbar, da das Herz nicht mehr vollständig arbeiten kann.
  • Angst/Nervosität: Herzrhythmusstörungen werden als sehr bedrohlich empfunden.
  • Aussetzen des Pulses: Leidet der Betroffene an einem Atrio-Ventrikulärem (AV)- Block, werden Impulse im Herzen nicht mehr ordnungsgemäß weitergeleitet.
  • Sehstörungen oder Schwarz werden vor den Augen: Kann das Herz seine Arbeit nicht mehr effizient verrichten, kommt es zu einem Abfall des Blutdrucks und somit zu Sehstörungen.
  • Bewusstlosigkeit(Synkope): Schlägt das Herz zu langsam, kann Bewusstlosigkeit die Folge sein.

Sind bereits Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt, sollte bei eventuell auftretenden Beschwerden ein Arzt aufgesucht werden. Oftmals sind Herzrhythmusstörungen harmlos. Darüber kann jedoch nur ein Arzt entscheiden.

Diagnose

Herzrhythmusstörungen, sowie andere Veränderungen der Herztätigkeit lassen sich am besten durch den veränderten Puls erkennen, der entweder zu langsam (Bradykardie), zu schnell (Tachykardie) oder unregelmäßig (Arrhythmie) sein kann. Außerdem wird der Arzt bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen Medikamente erfragen, die eingenommen werden, da einige Präparate zu einer Veränderung der Herztätigkeit führen könne, wenn sie falsch dosiert sind (beispielsweise Schilddrüsenhormone).

Nachstehende Untersuchungen werden zur Diagnose von Herzrhythmusstörungen angewendet

  • Ruhe-EKG: Anhand des Ruhe- EKGs kann der Arzt sagen, ob die Herzrhythmusstörung im Vorhof oder in der Kammer entsteht und welche Art von Rhythmusstörung vorliegt.
  • Langzeit-EKG: Einige Herzrhythmusstörungen treten nur von Zeit zu Zeit auf, weshalb zur besseren Diagnose ein Langzeit- EKG sinnvoll ist. Dieses erfasst einen Zeitraum von 24 bis 48 Stunden.
  • Belastungs-EKG: Einige Herzrhythmusstörungen kommen nur unter Belastung vor. In diesem Fall kann ein Belastungs- EKG angewendet werden. Die Aufzeichnung erfolgt während man auf einem Fahrrad- Ergometer fährt. 

Weitere Untersuchungsmethoden

In einigen Fällen kann es auch nötig sein weitere elektrophysiologische Untersuchungen zu machen. Eine solche Untersuchung dient dazu, die Art, den Entstehungsort der Herzrhythmusstörung und die Wirksamkeit von Medikamenten herauszufinden.

  • Echokardiographie: Anhand dieser Ultraschall-Untersuchung lassen sich Herzklappenfehler, sowie Veränderungen der Pumpfunktion des Herzens (Herzschwäche) erkennen. Darüber hinaus können auch Veränderungen durch einen seit langem bestehenden zu hohen Blutdruck diagnostiziert werden.
  • Herzkatheter: Die Herzkatheter- Untersuchung gibt vor allem Aufschluss darüber ob eine Koronare Herzerkrankung (KHK) oder ein Herzklappenfehler vorliegen. Die Durchführung erfolgt durch einen dünnen Schlauch, welches über ein Gefäß (Arterie oder Vene) zum Herzen vorgeschoben wird. Dann wird ein Kontrastmittel injiziert, um somit bestimmte Herzgefäße (Herzkrankgefäße) darstellen zu können. In manchen Fällen ist der Katheter mit einem Ballon und einer Gefäßstütze (d.h. Stent) versehen, wodurch koronare Engstellen mit dem Ballon ausgeweitet und mit der darauffolgend befestigten Stütze gesichert werden können, damit das Gefäß offen bleibt. 
  • Herz-MRT: Diese Untersuchung zeigt ob eine Koronare Herzerkrankung (krankhafte Veränderung der Herzkranzgefäße) oder ein Herzklappenfehler vorliegt.
  • Laboruntersuchungen: Bei der Laboruntersuchung wird getestet, ob eine Stoffwechselstörung, wie etwa eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) für die Rhythmusstörung verantwortlich ist.

Folgende Informationen sollten dem Arzt bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen unbedingt mitgeteilt werden

  • Alle eingenommenen Medikamente, dies gilt auch für pflanzliche und frei verkäufliche Präparate
  • Es sollte immer notiert werden zu welchem Zeitpunkt die Herzrhythmusstörungen aufgetreten sind und welche Tätigkeit gerade verrichtet wurde.
  • Alle bestehenden Krankheiten sollten erwähnt werden.

Therapie

Die Therapie der Herzrhythmusstörung richtet sich danach, ob eine Ursache ausfindig gemacht werden kann, wenn ja um welche es sich handelt und ob sie therapierbar ist.

Besteht neben der Rhythmusstörung noch eine weitere Herzerkrankung (KHK, Herzklappenfehler, Bluthochdruck, Herzmuskelentzündung, Herzschwäche), wird erst diese behandelt. Leidet der Betroffene jedoch an keiner weiteren Grunderkrankung (vor allem keine Herzschwäche), besteht in manchen Fällen kein dringender Bedarf die Herzrhythmusstörung zu behandeln.

Anders gestaltet sich die Lage, wenn die Herzfunktion durch die Herzerkrankung stark beeinträchtigt wird. In diesem Fall sollten sowohl Grunderkrankung, als auch Herzrhythmusstörung behandelt werden.

Zusätzlich sollten auch Risikofaktoren für Rhythmusstörung behoben werden. Zu diesen zählen Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Übergewicht oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Um Herzrhythmusstörung zu therapieren stehen verschiedene Medikamente zur Auswahl. Dennoch sind diese Präparate nur mit Vorsicht einzunehmen, da sie ihrerseits zu gefährlichen Rhythmusstörungen führen können. Deshalb muss Nutzen und Risiko gemeinsam mit dem behandelnden Arzt genau abgewogen werden.

Folgende Medikamente kommen bei tachykarden Herzrhythmusstörungen zum Einsatz

  • Natriumkanalblocker: Natriumkanal- Blocker bewirken eine Hemmung der Erregungsausbreitung an Vorhof und Kammermyokard. Somit führen sie zu einer Senkung der Herzfrequenz. Als Nebenwirkung kann es zu Kammerflimmern kommen.
  • Beta-Blocker: Sie bewirken eine Verlangsamung des Herzschlags und kommen deshalb besonders bei Patienten mit Koronaren Herzerkrankungen zum Einsatz. Als Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Schwindel, sowie niedriger Blutdruck auftreten. Bei Asthmatikern kann es zum Anstieg von Asthma- Anfällen kommen.
  • Kaliumkanalblocker: Kaliumkanalblocker haben zur Folge, dass die Herzfrequenz sinkt. Abhängig von dem jeweiligen Präparat können Nebenwirkung wie Leberveränderungen und neurologische Störungen auftreten.
  • Kalziumkanalblocker: Einige Kalziumkanalblocker (beispielsweise Verapamil) führen zu einer Senkung der Herzfrequenz Zu den Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Blutdruckabfall, Wasseransammlungen im Bereich der Knöchel (Ödeme).

Bei manchen Formen von Herzrhythmusstörungen (wie etwa Vorhofflimmern) kommen ergänzend gerinnungshemmende Mittel, wie beispielsweise Phenprocoumon zum Einsatz. Dies ist dadurch begründbar, dass die Fließeigenschaften des Blutes bei Herzrhythmusstörungen verändert sein können und sich somit leichter Blutgerinnsel bilden können. Das kann zu einer Verstopfung der anderen Organe führen und in Folge einen Schlaganfall auslösen. Durch blutverdünnende Medikamente wird diese Gefahr minimiert.

Bei Bradykardie werden vor allem sogenannte Parasympatholytika wie Atropin oder Sympathomimetika wie Adrenalin eingesetzt.

Eingriffe

  • Katheterablation: Einige Herzrhythmusstörungen, wie Tachykardie aus den Vorhöfen (Supraventrikulär) oder eine spezielle Form der Vorhof- Herzrhythmusstörung können durch eine sogenannte Katheterablation behandelt werden. Dabei werden über einen Herzkatheter (dünner, flexibler Schlauch) Gewebestellen am Herzmuskel, die als möglicher Auslöser für die Rhythmusstörungen in Frage kommen, zerstört.
  • Schrittmacher/Pacemaker: Der Schrittmacher wird bei einem zu langsamen Herzschlag (Bradykardie), einer Sinusknoten- Dysfunktion, sowie einem Herzblock eingesetzt.
  • Implantierbare Cardioverter/ Defibrillator (ICD): Dieses Gerät kommt hauptsächlich bei einer ventrikulären Tachykardie zum Einsatz. Kommt es nun zu einer gefährlichen Herzrhythmusstörung kann das Gerät diese sofort feststellen und gibt einen Elektroschock ab. Dadurch kommt es wieder zu einer Normalisierung des Herzschlags.
  • Operation: Bereiche des Herzmuskels, die für die Herzrhythmusstörungen verantwortlich sind, lassen sich operativ entfernen. Aufgrund der Herzkatheterablation ist dieses Verfahren jedoch weitgehend nicht mehr geläufig.

Leidet der Betroffene an Vorhofflimmern, kann eine „Labyrinth- Chirurgie“ (Engl.: Maze - Surgery) gegebenenfalls sinnvoll sein. Bei dieser Methode werden in den Vorhöfen viele kleine Einschnitte gemacht, was zu einem neuen einheitlichen Weg für den elektrischen Impuls führen soll.

Spezielle Therapien

  • Mithilfe von Medikamenten wird versucht bei Vorhofflimmern den Herzrhythmus zu normalisieren.
  • Sind die Anfälle auf das WPW-Syndrom zurückzuführen, wird ebenfalls versucht mit Medikamenten zu behandeln oder die zusätzlichen Muskelfasern werden durchtrennt.
  • Patienten mit Ventrikulärer Tachykardie erhalten einen Implantierbaren Kardioverter-Defibrillator. Somit wird versucht den Zustand des lebensbedrohlichen Kammerflimmerns zu verhindern. Auch das Präparat Amiodaron kann eingesetzt werden.
  • Liegt eine höhergradige AV-Blockierung vor, kann ein Schrittmacher eingesetzt werden. Dasselbe kann auch bei Sinusknoten- Dysfunktionen erfolgen.

Prognose

Die Prognose ist sowohl von der Art der Herzrhythmusstörung als auch von der Grunderkrankung abhängig. Besonders gefährlich sind Herzrhythmusstörungen in Verbindung mit einer Koronaren Herzerkrankung (KHK) oder mit einer Herzschwäche.

Besteht keine andere Herzerkrankung, können Herzrhythmusstörungen oft auch weitaus weniger gefährlich sein.

Spezielle Prognose

  • Vorhofflimmern: Hier ist die Prognose abhängig von der Dauer und vom Risiko, einem Schlaganfall zu erliegen, denn die veränderten Strömungsverhältnisse des Bluts begünstigen die Entstehung von Blutgerinnseln.
  • WPW-Syndrom: Mitunter kann es zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen kommen, die in bestimmten Fällen jedoch mit einer Katheterablation optimal behandelt werden können.
  • Ventikuläre Tachykardie: Hier sind deutlich bessere Prognosen zu verzeichnen, was mit dem Einsatz von Implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren zusammenhängt.
  • Bradykardie: Hier ist vor allem dank der Implantation eines Schrittmachers mit keinen Einschränkungen zu rechnen.
  • Kammerflimmern: Kammerflimmern stellt eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung dar, die unbedingt ärztlich behandelt werden muss.

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